Kopfmensch versus Herzmensch

Kürzlich floss durch meinen Newsstream so ein typisches Chillout Trostbild. Vor einem abgetönten, stimmungsvollen Landschaftshintergrund stand geschrieben: Ein Kopfmensch wird niemals verstehen, was ein Herzmensch fühlt. fb/Sprüche, die zu Herzen gehen. Sofortige spontane Reaktion meinerseits: Dafür wird

ein Herzmensch niemals fühlen, was ein Kopfmensch denkt. Sprüche die zum Sinnieren anregen 😉 Alles eine Frage der Perspektive und die ändert sich je nach Standpunkt.

Einfach umgedreht und schon hat der Geist neue Nahrung. Jener Geist der in uns  zwischen Fühlen (Herz) und Denken (Kopf) unterscheidet. Woran sich zwar manchmal Geister scheiden. Die wissenschaftlichen trennen da weniger strikt – auch die geisteswissenschaftlichen halten sich dabei zurück.

Am meisten stört mich an diesem so einfühlend wirkenden Sinnspruch, die damit einhergehende polarisierende Zuspitzung. Eine scheinbar sensible Aussage wirbt um Mitgefühl für einen Pol und wertet damit zugleich den anderen ab. Dem Kopfmenschen, so es ihn denn überhaupt in Reinkultur gibt, wird Verständnis für den herzigen Menschentyp abgesprochen. Ziemlich herzlos sowas… Am Ende befindet sich gar im tiefsten Herzensgrunde eines Herzmenschen eine fürchterliche Mördergrube statt der erhofften Kuschelkissen.

Blindes Vertrauten auf Gefühlsimpulse verleitet leicht zu Fehleinschätzungen und Vorurteilen. In den heutigen Zeiten ›gefühlter Wahrheiten‹ zeigt sich die Problematik eines solchen Denk(!)ansatzes überdeutlich: Mir egal wie es wirklich ist, für mich fühlt es sich so an als ob…, basta!  Und Gefühle kann ja wohl kaum jemand in Frage stellen oder?

Weder die eine Ausprägung noch die andere besitzt die vollständige, vollkommene und unfehlbare Wahrheit.

Wer sprachlich solche Thesen auf den Prüfstand nimmt, spürt rasch Schwachpunkte auf. Lustiger Weise bedarf es sowohl für ›verstehen‹ als auch ›Verständis‹ der Fähigkeiten unseres verkopften Verstandes. Zudem gehen Herz und Verstand – also Kopf- und Gefühl – Hand in Hand. Denn tatsächlich bestehen zwischen beiden jede Menge Wechselwirkungen. Ohne unser Hirn, dessen Zuhause sich in unserem Kopf befindet, fällt Leben schwer, bis zur Unmöglichkeit hin schwer sogar. Unsere Sinne schicken wahrgenommene Reize ans Hirn, das die passende Reaktion einschließlich geeigneter Emotion auslöst. Bei einem zum Stillstand gekommenen Herz glückt medizinisch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit es wiederzubeleben als bei einem Hirn.

By the way: Die Gabe derartige Spruchweisheiten zu formulieren, verdanken wir ebenfalls unserem Kopfe 😉

Anregungen zum Weiterlesen/Further Reading:
Warum du Mitleid aus deinen Gefühlen streichen solltest
Das Gehirn
Trying to keep it together part3

Quelle Bildelemente:
The Grapic Fairy

One Reply to “Kopfmensch versus Herzmensch”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s